Parlez-vous français? Bernar LeSton im Gespräch

Bernar LeSton - Deutscher AutorDer deutsche Autor Bernar LeSton liebt es, seine Kurz- und Kürzestgeschichten live vorzutragen. Mehr darüber erfahrt ihr im folgenden Interview.
Wer mehr über Bernar erfahren möchte, kann ich auf seiner Homepage Geschichten und andere Texte besuchen, auf der er über aktuelle und kommende Projekte berichtet. Außerdem gibt es auch ausreichend Kostproben seines Könnens.

In der Anthologie Mängelexemplare: Haunted, die ihr mittlerweile über den Amrûn Verlag vorbestellen könnt, steuert er eine spannende Erzählung im französischen Setting bei. Held dieser Geschichte ist Mort-on-Rue. Um den Protagonisten vorab bereits ein klein wenig kennenzulernen, präsentiert euch Bernar die Vorgeschichte Mort-on-Rues.

Aller Anfang …

Mehr gibt es dann in Kürze in Mängelexemplare: Haunted!

CD: Lieber Bernar, herzlich Willkommen in der Riege der Mängelexemplare-Autoren. Ich hoffe, du fühlst dich sehr wohl bei uns.
Erzähl doch zu Beginn bitte mal ein bisschen über dich und deine Geschichten.

BL: Ich danke dir zuerst einmal für deine warmen Worte, lieber Constantin, und fühle mich geehrt, mich bei euch tummeln zu dürfen.
Heute schreibe ich sehr gerne Kurz- und Kürzestgeschichten, die allesamt eher etwas mit den düsteren Seiten des Lebens zu tun haben. Früher war das anders: Zu meiner Schulzeit konnte ich dem Schreiben nicht viel abgewinnen und Deutsch war alles andere als mein Lieblingsfach. Es sollte aber perfiderweise genau mein Deutschbuch der 5. und 6. Klasse sein, welches den Samen meiner späteren Leidenschaft für das Schreiben pflanzte, die daraus erwuchs. Darin befanden sich nicht nur „Die schwarze Katze“ von Edgar Allan Poe, „Die Reise zum Mond“ von Jules Verne, sondern auch ein Zeitungsstrip eines Batman-Comics. Was folgte, war der jahrelange Konsum der bunten Heftchen des dunklen Ritters (allerdings eher der Zeit ohne Robin, den Wunderknaben) sowie die Faszination für das Phantastische und Skurril-makabre in schriftlicher Form. All das führte beinahe zwangsläufig zu den ersten düsteren Geschichten, die dann 2010 während eines Urlaubs in der Schweiz entstanden.

Der Name Bernar LeSton klingt sehr distinguiert, mit alt-französischem Einschlag. Auch deine Geschichte in Mängelexemplare: Haunted spielt in einem Frankreich der Vergangenheit. Wie bist du zu deinem Pseudonym gekommen und rieche ich ein starkes Faible für das Französische?

Sehr wahrscheinlich hängt auch das mit meiner Schulzeit zusammen, in der ich statt Französisch lieber Werken als Wahlfach nahm, obwohl ich die Sprache schon immer als äußerst wohlklingend empfand. Heute würde ich mich sicherlich anders entscheiden.
Das Pseudonym ergab sich aber zufällig. Der erste Teil davon ist recht nah an meinem realen Vornamen, der sich mit dem Namen Arlestons – der französische Szenarist der Comicserie „Lanfeust von Troy“, die ich eine Zeit lang regelrecht verschlang – kombinieren ließ. Diesen Nicknamen verwendete ich dann eine Weile im Internet, bevor sich die heutige Schreibweise dann nach und nach als Autor einstellte.
Bei deiner Vermutung mit dem Faible liegst du natürlich völlig richtig: Ich mag den Klang der Sprache einfach sehr gerne und habe zudem das Gefühl, dass das Französische ebenso wie das Englische für Geschichten und Erzählungen, die in alten Zeiten angesiedelt sind, geradezu prädestiniert scheinen.

Die Erzählungen, dich ich bisher von dir gelesen habe, umfassen meist weniger als fünf Seiten. Was reizt dich an dieser extremen Kürze?

Bei meiner Antwort sollte ich mich kurzfassen und hoffe, dass du genug Zeit mitgebracht hast. Nein, ohne Spaß: Ich mochte schon immer Kurzgeschichten und entdeckte eines Tages den Six-Word-Flash von Ernest Hemingway, der übersetzt lautet „Babyschuhe abzugeben: Ungetragen.“
Viele Leser würden sicherlich zu recht sagen, dass dies für sie nicht genug Geschichte enthält, aber bei mir war das genau andersherum. Ich mag daran die Möglichkeit, Dinge oder Umstände hineinzuinterpretieren. Also, auch der Frage im Kopf nachzugehen, was dort im Umfeld geschah, das nicht offensichtlich im Text steht.
Ein weiteres Beispiel wäre Graham Greenes kürzeste Gespenstergeschichte der Welt, die aus der Not heraus entstand, dass er sonst nicht die Deadline seines Verlegers eingehalten hätte: „Neulich traf ich den Earl of Tyne, nebst seiner Witwe.“
Hier zeigt sich auch wieder, dass eine Geschichte dem Leser nicht alles verraten sollte und gleichermaßen neben dem Offenbaren einzelner Aspekte manches hinter dem Schleier des Unbekannten verborgen bleiben darf.

Planst du für die Zukunft Längeres?

Zunächst habe ich mich an kürzere Texte gehalten, mich aber inzwischen auch schon an die Länge von Novellen gewagt. Im Lektorat befindet sich eine Anthologie mit Kurz- und Kürzestgeschichten rein aus meiner Feder, die den Titel „Dr. LeSton’s Kabinett der seltsamen Szenarien“ tragen wird. Nebenbei arbeite ich auch an einem Manuskript in Romanlänge, dessen Rohfassung ich bereits 2010 erstellte. Da sie zunächst aus lauter einzelnen Szenen bestand, die eher losen Kurzgeschichten ähnelten, ist daran noch ein wenig zu tun.

Bernar LeSton auf einer seiner vielen Lesungen.Du trägst deine Werke regelmäßig auf Lesungen vor. Bist du da immer noch aufgeregt oder hast du ein paar Tipps für Unerfahrene, wie man die eigene Nervosität in den Griff bekommen kann?

Seltsamerweise legt sich die erste Aufregung –  die schon zwei Wochen vor der nächsten Lesung beginnt – bei mir etwa drei Tage vor dem Ereignis selbst und ich werde richtig tiefenentspannt. Quasi wie die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Natürlich tritt eine halbe Stunde vor Beginn der Lesung dann wieder eine gewisse Anspannung ein. Dagegen hilft mir oft ein kurzes Absondern sowie ein paar Schritte an der frischen Luft mit gleichzeitig tiefem Durchatmen.
Unerfahrenen Autoren würde ich raten, zu Hause ein wenig laut Lesen zu üben und die Lesung mit einer Geschichte oder Szene zu eröffnen, die man besonders gerne mag, ohne dabei zu weit hinten im Buch zu beginnen. Mir verschafft das bisher immer eine gewisse Grundsicherheit, die dann durch die ganze Lesung anhält.

Denkst du, dass es, vor allem auch für Hobbyautoren, elementar wichtig ist, ihr Geschichten auch live vorzutragen, selbst wenn es nur vor fünf oder zehn Leuten ist. Woraus ziehst du den Antrieb, mit dem Auto durch das Land zu kreisen, um aus deinem Büchern vorzutragen?

Ich glaube, dass man dadurch einen guten Kontakt zu den Lesern aufbauen kann, was sicherlich nicht unwichtig ist. Man mag ja schließlich auch gelesen werden, wie du mir sicher zustimmen wirst. Zudem motiviert mich persönlich jede Lesung wieder zum Schreiben neuer Geschichten. Applaus ist und bleibt einfach eine umwerfende Form von Zuspruch.

Zurück zu deiner Geschichte in Mängelexemplare: Haunted – möchtest du deine Leser vorab noch ein klein wenig neugierig machen?

Marie d’Amber darf sich ständig von ihrem Bruder Émile mit folgendem Spottvers ärgern lassen:
„Heute Nacht wird es geschehen, heute Nacht werd‘ ich sie sehen. Viele, viele Nachtgespenster!“
Was aber hernach geschieht, soll nicht nur die beiden Heranwachsenden überraschen …

Vielen Dank, lieber Bernar, dass du dir die Zeit genommen hast, dich meinen Fragen zu stellen.

Ich habe zu danken, lieber Constantin, und das vielmals.

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